LDV153.7
83 ANDRÉ ISOIR André Isoir hat sichüber einen sehr langen Zeitraumhinweg inden literarischen wie auch geistlichen Inhalt der Choräle eingearbeitet, um für sie stets die beste musikalische Umsetzung zu finden. Seine tiefgehenden Überlegungen führten ihn dazu, die Anordnung der CDs nicht etwa auf Grundlage der Musikdrucke vorzunehmen, sondern nach einem besonderen geistlichen Schema oder nach demAblauf des Kirchenjahres. Für jedes Werk (Choral, Präludium und Fuge, Konzert, Sonate) entsteht eine Idee, irgendetwas ganz Persönliches, sei es bei den Phrasierungen, der Orgelregistrierung, den Fingersätzen … Bei ihm gehen Tempo, Klang und Artikulation Hand in Hand. Besonders im Konzert scheut er sich nicht, die Texte auszuschmücken. Seine ganze Karriere lang „horchte“ er auf die Aufmerksamkeit des Publikums.Wenn ihm schien, als schwinde sie, so belebte er sie, indem er ein paar Ausschmückungen improvisierte, die der Rede neuen Schwung gaben! Denn selbst wenn er sich diesbezüglich zurückhaltend zeigt, so ist er doch ein bemerkenswerter Improvisator und … Komponist. Nie spielt er für sich; sein Spiel ist immer Austausch, Teilen. Wovor ihm graut? Davor, zu langweilen! Und hier genau findet sich auch ein wesentliches Charakteristikum seiner Gesamtaufnahme. Jedes Stück springt und strahlt, in allem steckt eine begeisternde polyphone Klarheit. Die Vitalität der Tempi ist dafür nicht die einzige Erklärung … Geschmeidigkeit der Phrasierungen, perfekte Klarheit des Anschlags, Fantasie beim Einsatz der Register künden zweifellos ebenso davon.
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