LDV153.7

73 ANDRÉ ISOIR Wenn Sie sagen, dass sie keine Musiklehre studiert haben, so haben Sie wahrscheinlich dennoch Komposition studiert, nicht wahr? Nein, nur ganz wenig. An der Ecole César Franck habe ich das mal ein Jahr lang gemacht: Ich bin bis zu den Dominantseptimen gekommen … Später dann war ich nochmal gezwungen, mich ernsthaft der Sache anzunehmen, und zwar als ich zum Vorspiel am Konservatorium von Angers fuhr, für die Orgel- und Kompositionsprofessur. Mehrere Monate lang habe ich intensiv Harmonielehrer studiert, bis zum Abwinken. Das Schwierigste war, ohne den Rückgriff auf das Manual zu schreiben. Wenn man an Menschen wie Bach denkt, die, ohne jede Hilfe durch das Manual, hundertprozentig sicher wussten, was sie da schrieben, dann fühlt man sich ganz klein … Hat Ihnen die Einsamkeit des Organisten nie zu schaffen gemacht? Überhaupt nicht. Ich fand mich ganz damit ab. Es gibt ein paar privilegierte Orte: Ich denke vor allem an die Kathedrale von Straßburg, wo die Orgel sehr hoch oben angebracht ist und man als Organist diese Einsamkeit schätzt. Und zugleich spürt man, obwohl man sehr weit von den Zuhörern entfernt ist, ob sie aufmerksam sind oder nicht. Besonders offenkundig ist das bei Zuhörern von „Trompete und Orgel“, wo die Orgelstücke lediglich da sind, um dem Trompeter eine Verschnaufpause zu gönnen: Da ist das Publikum dann deutlich unaufmerksamer, und das spürt man.

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