LDV153.7
An wen haben Sie sich dann gewandt, um ernsthaft zu lernen und weiterzukommen? Ich habe zunächst alleine gelernt, und das gut ein, zwei Jahre lang. Dann haben meine Eltern sich schlau gemacht, wie am besten vorzugehen sei. So kam es, dass eineOrganistin, Noëlle PierrontmitNamen, die gerade inSaint-Dizierwar, mir riet, das Konservatorium von Paris zu meiden, wo ich, wie sie meinte, „von Vornehinein nur ein Versager sein würde“. Sie empfahl mir mit Nachdruck die EcoleCésar Franck,woexzellente Lehrerwaren.Alsobin ichSchüler dieser recht teuren Privateinrichtung geworden. Ichweiß, dassmeinVater, der Eisenbahner war, Schwierigkeiten hatte, die Kurse zu bezahlen. Die logische Folge danach dann war das Konservatorium von Paris, wo ich Madame Rolande Falcinelli als Lehrerin hatte. Dann folgten, nach demAbschluss am Konservatorium, ein paar internationaleWettbewerbe, all das so hintereinander weg. Als ich an der Ecole César Franck ankam, schickte man mich sofort zum Direktor, Monsieur Guy de Lioncourt, der mir erst beim Spiel zuhörte und mir dann sagte: „ Das ist nicht ganz schlecht, aber nicht gerade normgerecht. Ich stecke Sie in die mittlere Schwierigkeitsstufe .“ Dort dann nochmal das gleiche Spiel: Der Lehrer hörte zu und sagte dann: „ Das geht so gar nicht, woher kommen Sie und bei wem haben Sie gelernt?“ – „Nun ja, ganz allein …“ – „Aha, verstehe, das hört man! Sie müssen noch eine Stufe weiter runter, aufs Anfängerniveau! “ Also bin ich noch eine Stufe abgestiegen, auf Anfängerniveau, aber ich habe bei diesemWechsel keineswegs verloren, denn ich bin auf eine außergewöhnliche und ungeheuer talentierte Lehrerin gestoßen, die Geneviève de la Salle hieß: Es war genau das, was ich brauchte. Sie hat mir eine Technikgrundlage vermittelt, die ich sicherlich mit dem anderen Lehrer nicht erhalten hätte, und dafür bin ich ihr sehr dankbar. 72 BACH_DIE GESAMTEN ORGELWERKE
RkJQdWJsaXNoZXIy OTAwOTQx