LDV153.7
71 ANDRÉ ISOIR Wie sind Sie zur Musik gekommen? Ich bin erst recht spät zur Musik gekommen: Vor meinem fünfzehnten Lebensjahr ließ mich Musik ohne Worte völlig kalt, ich verstand einfach nicht, wie man sich dafür interessieren konnte. Damals spielte ich Trompete im Blasorchester von Saint-Dizier, meinem Heimatdorf, was mir zumindest erlaubt hat, den G-Schlüssel kennenzulernen … Dann bat mein Vater beim Gemeindepfarrer darum, ein kleines Harmonium ausleihen zu dürfen, um mit seinen Chorsängern proben zu können. Auf diesem Harmonium habe ich dann, ganz allein, den Bassschlüssel gelernt, und damit fing alles an. Also kein Klavier? Nein, nur dieses kleine Harmonium, zumindest am Anfang. Ich habe also nie UnterrichtinMusiklehregehabtundichbinsehrgutohneausgekommen.Esstimmt, dass ich danach dann ziemlich ernsthaft Klavier gespielt habe, aber das war nicht wirklich mein Instrument. Die vier Oktaven auf der Orgel begünstigen nicht gerade die Lagenwechsel, die doch gerade die pianistische Grundtechnik ausmachen. Beide Techniken ergänzen sich sehr gut, obwohl sie sehr verschieden sind. Aber man kann es schaffen, perfekt Orgel zu spielen, ohne jemals Klavier gespielt zu haben. Sie haben gesagt, dass Sie mit „Musik ohne Worte“ nichts anfangen konnten. Was für Musik hörten Sie damals? Lieder. Zu der Zeit gab es France Musique und Radio Classique noch nicht, also war es Radio Luxembourg am laufenden Band. Und dann folgte die Entdeckung einer Sendung von Jean Witold: „Kantaten in der Thomaskirche“. Ich saß wortwörtlich festgenagelt vor dem Radiogerät und lauschte dieser überwältigenden Musik. Es war tatsächlich das allererste Mal, dass ichMusik von Bach zu hören bekam, und sie schlug mich in ihren Bann.
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