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QUATUOR HERMÈS 35 Es endet mit einem Walzer mit fast dekadenten Akzenten. Wäre dieser nicht so verzweifelt, würde er an Ravels Walzer erinnern, der auch das Ende einer sorgenlosen Epoche symbolisierte. Es ist ein völlig entfesselter Walzer, der sich nach dem Vorbild von Ravel jeglicher Kontrolle entzieht und das Gefühl einer Flucht nach vorn gibt. Korngold drückt hier die Nostalgie einer Welt aus, in der alles leichter war. Man bedenke, dass sich der Komponist 1933 vom Aufkommen des Nationalsozialismus bedroht fühlte und kurz vor dem Exil stand. Allerdings legte er eine unglaubliche Energie an den Tag und gab auf der Partitur sogar extrem schnelle, nahezu unspielbare Tempi an. Man stelle sich also Paare vor, die rasend über die Tanzfläche wirbeln, als wollten sie das Schwanken Europas vergessen. Schostakowitsch tat das Gleiche und versteckte die Tragödie hinter Brillanz, indem er ebenso zügellose Tempi anbot. Wir haben allerdings beschlossen, sie zu drosseln, um die dramatische Tiefe des Werks durchscheinen zu lassen.

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