QUATUOR HERMÈS 33 Auch Korngold schneidet in seinem Zweiten Streichquartett, das er kurz vor seinem Exil in den USA komponierte, das Ende einer Epoche an. Was kennzeichnet seine Sprache? Einer der faszinierendsten Aspekte in Korngolds Musik ist seine Fähigkeit zur Heraufbeschwörung von Bildern. Eine beschreibende Kraft, die er in jungen Jahren in der Opernwelt nutzte – genau wie Mozart, mit dem er aufgrund seiner frühen Talente oft verglichen wurde. Dann setzte er diese Kunst für das Kino ein, was ihm eine große Hollywoodkarriere verschaffte. Wir lernten den Komponisten mit seinem Klavierquintett kennen, dessen Adagio ein erschütterndes Lebewohl ist, in dem er uns einen Klangraum von packender Tiefe wahrnehmen lässt. Dieselben Empfindungen haben wir im langsamen Satz seines Zweiten Streichquartetts wiedergefunden. Dies liegt an den Intervallen sowie an den von ihm eingesetzten besonderen Texturen. Seine Kombination aus Harmonischen und tiefen Bässen sorgt zum Beispiel zu Beginn des Larghetto für einen bemerkenswerten Umfang. Man lässt sich unter anderem durch die Erzählkraft dieses Werks mitreißen, das in seinem ersten Satz verschiedene Protagonisten eines Epos auftauchen lässt. Korngold weiß bewundernswert mit der Klangpalette umzugehen, damit Stimmungen zu schaffen und seiner Musik einen filmischen Aspekt zu verleihen. So ist der amerikanische Abschnitt seines Werdegangs kein Wunder.
RkJQdWJsaXNoZXIy OTAwOTQx