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32 ECHOES OF VIENNA Sie sprechen von der Theatralität in Mozarts Instrumentalmusik. Wie steht es bei Webern? Sein Langsamer Satz dreht sich um ein Liebespaar vor poetischem Hintergrund. Weberns Stil nähert sich in seiner Vokalität und in der Identifizierung mit Personen Mozarts an. Doch seine Sprache ist ganz anders. In diesem Werk, das er sehr früh komponierte, nämlich 1905, treibt er den romantischen Ausdruck extrem weit. Aber Achtung: Es gilt, nicht in den Gefühlsüberschwang abzurutschen, denn von der Musik geht auch viel Zurückhaltung aus. Seine erzählerische Bearbeitung ist somit intimer als jene Mozarts. Hier sitzen wir nicht in der Oper, sondern hören etwas im vertraulichen Ton. Ein Mann erzählt uns von dem Spaziergang mit seiner Liebsten. Und diese aufkeimende Liebe hat ein besonderes Aroma. Jenes einer Epoche, die sich dem Ende neigt, beschrieben von einem jungen Komponisten, der im Begriff ist, der Tonalität zu entsagen, um in die Zwölftontechnik abzugleiten. Zudem sind Erinnerungen an Brahms und Mahler zu hören.

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