QUATUOR HERMÈS 29 Tatsächlich ist das Streichquartett eines der dramatischsten in Mozarts Gesamtwerk. Ab der ersten Takte lässt er uns in eine recht beängstigende Welt eintauchen, und die Tonart d-Moll beschwört ein unheilvolles Schicksal herauf. In welcher Verfassung sind Sie die Partitur angegangen? Es ist das einzige in Moll im Zyklus der sechs Haydn-Quartette. Der Komponist scheint hier einen Teil seiner Maske zu lüften und sein Unbehagen zu zeigen. Die Beklommenheit verlässt uns die gesamte Partitur lang quasi nie. Obwohl der zweite Satz in der Tonart F-Dur etwas Licht ins Dunkel lässt, ist die Angst noch immer spürbar. Das Andante beruhigt nicht ganz. Sein repetitiver Diskurs vermittelt einen fragenden Eindruck. Denn bei Mozart ist das Gefühl des Trosts oft instabil, fragil. Vielleicht beschreibt er in diesem Quartett seine eigene Wahrnehmung der menschlichen Erfahrung. Laut Legende hätte er es komponiert, während seine Frau ihr erstes Kind bekam. So sind wir den Satz mit einer Art mütterlichen Sanftheit angegangen, um die von Besorgnis gefärbte Zärtlichkeit zu übermitteln. Dennoch ist das Werk nicht vollends pessimistisch. Die ersten Takte seines recht tänzerischen Finales führen uns zu einem leuchtenden D-Dur.
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